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User Stories sind wie Schiffe auf dem Fluss

Überall haben wir Dashboards, die uns Dinge anzeigen oder uns zu Aktionen zwingen. Beides formt unser Denken und beeinflusst, wie wir unsere Arbeit wahrnehmen. Bei einer User Story ist das nicht anders: Klare Prozesschritte helfen dabei, dass sich aus einer Idee ein wertschaffendes Stück Software entwickelt. Das gibt allen Beteiligten Sicherheit und Routine – aber es bleibt eine idealisierte, zweidimensionale Darstellung. Einem Board fehlt die Tiefe für das, was zwischen den Spalten tatsächlich passiert.

Ich möchte diese starre Board-Perspektive für einen Moment hinter mir lassen und eine Geschichte erzählen, die ein guter Türöffner ist, um über Prozesse und Abläufe ins Gespräch zu kommen.

Fluss

Deine Anforderung als Reise auf dem Fluss

Stell dir deine Anforderung als Reise von A nach B auf einem Fluss vor. Es spielt keine Rolle, ob du die reißende Lech in den Alpen oder den weitläufigen Niederrhein im Kopf hast. Fünf Dinge beeinflussen deine Reise massgeblich.

Je grösser das Schiff, desto schwieriger der Kurs

Ein großes Containerschiff läuft in engen Flussbiegungen leichter auf Grund, während ein kleines Boot die Windungen ohne großen Widerstand hinter sich lässt. Übersetzt: Je kleiner deine User Story, desto einfacher ist ihr grundsätzliches Handling. Sie lässt sich besser steuern, schneller prüfen und zügiger abschließen.

Je kleiner das Boot, desto öfter die Fahrt

Auf einem kleinen Boot ist weniger Platz. Es muss häufiger pendeln, um die gleiche Ladung zu transportieren. Die Ladekapazität muss zum Fluss passen. Eine kleine User Story ist gut - eine zu kleine User Story erzeugt so viel Overhead, dass der Vorteil der Wendigkeit wieder verloren geht.

Je bunter die Flotte, desto langsamer alle

Wenn große und kleine Schiffe gleichzeitig unterwegs sind, müssen alle Rücksicht aufeinander nehmen. Das bremst die gesamte Flotte. Wenn User Stories möglichst gleichförmig geschnitten und nicht zu viele gleichzeitig unterwegs sind, dann wird der Umgang routinierter. Das ist im Kern das, was hinter einem WIP-Limit steckt: weniger gleichzeitiger Verkehr auf dem Fluss bedeutet besseren Durchfluss für alle.

Je klobiger der Rumpf, desto zäher die Fahrt

Ein Schiff mit einem optimierten Rumpf gleitet besser durchs Wasser, auch wenn der Bau länger dauert. Eine gut ausdefinierte User Story verhält sich genauso: Die Investition in ein sauberes Refinement zahlt sich aus, weil die Story danach reibungsloser über das Board wandert. Die Alternative - ein halbfertiges Ticket ins Development schieben - ist wie ein kantiger Kahn, der gegen jede Strömung kämpft.

Und dann gibt es noch die Natureinflüsse: Wenn ständig der Wind aufpeitscht oder die Biber besonders fleißig im Dammbau waren, kommt es unvermeidlich zu Verzögerungen. Übersetzt: Je störungsfreier das Umfeld, in dem an einer User Story gearbeitet wird, desto schneller ist sie fertig. Kontextwechsel, unklare Zuständigkeiten, spontane Prio-Änderungen - das sind die Unwetter auf deinem Fluss.

Keine neuen Erkenntnisse, aber ein neuer Zugang

Die Analogien erfinden kein Rad neu. Im agilen Umfeld hört man regelmäßig, dass die Cycle Time sinkt, wenn User Stories gleichförmig geschnitten sind. Oder dass ein WIP-Limit den Durchsatz steigert. Aber warum das so ist, wird selten erklärt. Meistens heißt es nur: "Es ist einfach so." Die Fluss-Metapher liefert ein Bild dafür. Wenn du vor dem inneren Auge siehst, wie ein überdimensioniertes Containerschiff in einer engen Biegung steckenbleibt, brauchst du keine Statistik mehr, um den Wert kleiner Stories zu verstehen.

Warum bildliche Sprache Teams weiterbringt

Viele Konzepte in der agilen Softwareentwicklung sind schwer greif- und kommunizierbar. Nicht jeder im Team hat die Muße, das agile Manifest zu verinnerlichen - und das muss auch nicht sein. Was zählt, ist ein gemeinsames Verständnis davon, warum wir bestimmte Dinge tun. Wenn wir eine bildhafte, vielleicht sogar kindlich anmutende Kommunikationsebene wählen, hat das einen entscheidenden Vorteil: Jeder fühlt sich abgeholt. Bei Leuchtfeuer diskutieren wir solche Bilder im Team, hinterfragen unsere Prozesse und entwickeln Lösungen gemeinsam. Das sorgt dafür, dass auf unseren ganz unterschiedlichen Reisen niemand über Bord gehen muss.